Interview

Umgang mit Widerstand gehört zum Studiengang

Interview mit Prof. Dr. Erik Nagel, Studienleiter Executive MBA Luzern

 

 

Erik, du hast ein 1 ½ -jähriges Sabbatical hinter dir. Was hast du in dieser Phase vermisst? Welches waren die grössten Highlights?

Vermisst habe ich eigentlich gar nichts. Ich habe es enorm genossen, mich mal ausserhalb der normalen Führungs- und Arbeitsprozesse einem Thema widmen zu können. Ich habe normalerweise viele Sitzungen, beantworte eine enorme Menge an Mails und bin in der Führungsposition als Institutsleiter und Vize-Direktor auch stark fremdgesteuert. Das war von einer Sekunde auf die andere weg. Andere haben in der Zeit die Führungsaufgaben wahrgenommen, die ich normalerweise wahrnehme. Ich musste also ganz konsequent delegieren. Das hat sehr gut geklappt … es gab zwei grosse Hightlights für mich war. Das erste war, dass ich vor Weihnachten die erste Version meines Buchs „Glücksfall Widerstand“ geschrieben hatte. Und das zweite Hightlight war, dass ich die ganze Woche lang, jeden Morgen mit meiner Familie gefrühstückt haben. Ich habe so viel mehr am Familienleben als sonst teilgenommen. 

 

Hast du neue Erkenntnisse gewonnen in bezug auf den EMBA–Studiengang?

Ja, das habe ich. Die erste Erkenntnis war naheliegenderweise, dass der produktive Umgang mit Widerstand Bestandteil vom EMBA werden soll. Eine zweite Erkenntnis oder auch Bestätigung im Gespräch mit anderen Hochschulen im Ausland, die ebenfalls MBAs und EMBAs anbieten, war, dass der Erfolgsfaktor der Unterricht ist. Das ist der Moment der Wahrheit. Den Dozierenden muss es gelingen, dass sich die Teilnehmenden mit der eigenen Praxis auseinander setzen. Es muss ihnen aber auch gelingen, für eine Thematik zu faszinieren. Und schliesslich braucht es immer auch eine Prise Humor – mit Humor kommt man leichter durch den anspruchsvollen Führungsalltag.

 

Die HSLU wächst und platzt aus allen Nähten …Wohin entwickelt sich im Speziellen das IBR? 

Das Wachstum und der Erfolg der Hochschule sind ausgesprochen erfreulich. Das IBR ist das generalistische Institut für Management und Regionalentwicklung des Departements Wirtschaft der Hochschule. Eine Entwicklungslinie ist, dass wir uns noch intensiver mit anderen Instituten und Departementen vernetzen werden. Problemstellungen sind heute interdisziplinär und benötigen integrierte Antworten. Im EMBA Luzern zeigt sich dies darin schon seit Jahren darin, dass die Studierenden verschiedentlich anspruchsvolle integrierte Managementmandate bearbeiten. Eine zweite Entwicklungslinie ist die Internationalisierung. Wir werden unsere Partnerschaften in Thailand, USA und weiteren Destinationen der Welt weiter ausbauen. Davon wird definitiv auch der EMBA Luzern profitieren. Und eine dritte Entwicklungslinie ist, dass wir uns treu bleiben wollen. Wir sind nicht nur aber auch aufgrund einer internationalen Akkreditierung konfrontiert mit der Anforderungen, mehr zu publizieren. Dieser Anforderungen entsprechen wir als IBR mittlerweile gut. Aber wir wollen auch weiterhin die Sprache der Praxis reden, mit der Praxis zusammen Projekte entwickeln, eine Plattform für Führungskräfte sein, die eine Weiterbildung machen wollen, die etwas von ihnen fordert und sie weiterbringt.

 

Wo siehst du weiteres Potenzial für den das Erfolgsmodell des „Luzerner“ EMBA ?

Das wesentliche Erfolgsmodell des EMBA ist, dass wir auf drei Dinge sehr grossen Wert legen: Erstens auf einen durchdachten didaktischen Prozess, der wirklich einzigartig ist. Unser Wissen, wie wir Praxis- und Transferorientierung umsetzen – das ist unser USP und das haben wir in den letzten Jahren mit grossem Erfolg weiterentwickelt. Wir wissen ausserdem, dass die Teilnehmenden zu uns kommen, weil sie persönlich und als Führungsperson weiterkommen wollen. Den Anteil Leadership haben und werden wir noch ausbauen – allerdings ohne die fachlichen, sachlichen Managementinhalte zu vernachlässigen. Das ist der zweite Punkt. Und als dritten Punkt sehe ich die Vermarktung. Die Website des EMBA Luzern ist ganz entscheidend für die Vermarktung. So haben wir in den letzten Jahren hier investiert und beispielsweise Video-Testimonials von Ehemaligen, Studierenden und Auftraggebern aufgenommen und hochgeladen. Ich möchte gerne noch weitere Kurz-Videos produzieren wie beispielsweise zu konkreten Unterrichtssequenzen. Dabei soll es sich auch weiterhin nicht um hochgestylte Videos handeln, sondern um solche, die einen authentischen Eindruck vom Lern- und Arbeitsklima vermitteln. So soll die Website noch attraktiver werden.

 

Wir dürfen seit Jahren auf eine konstruktive Kooperation zwischen AML und HSLU zählen.
Worin siehst du persönlich den Nutzen einer starken Alumni-Organisation?

Der Nutzen der tollen Zusammenarbeit ist nicht hoch genug einzuschätzen. Dank der Alumni-Organisation können die ehemaligen Teilnehmenden auf ein grosses Netzwerk zugreifen, an attraktiven Veranstaltungen teilnehmen. Aber auch wir als Hochschule profitieren davon, da die Ehemaligen zusammenkommen, weil sie alle eine Executive-Weiterbildung an unserer Hochschule absolviert haben. Sie kämen nicht wieder, wenn sie selber davon nicht profitiert hätten. Durch euch, durch die AML können wir deutlich besser den Kontakt zu den Ehemaligen halten und pflegen. Die Ehemaligen sind eine unschätzbare Ressourcen für den Fortbestand des EMBA Luzern. Ca. 80 Prozent der Studierenden haben mit Ehemaligen gesprochen und sich bestätigen lassen, dass der EMBA Luzern eine sehr gute Weiterbildung ist. Ohne die Ehemaligen gäbe es keine Zukunft – so einfach lässt sich dies auf den Punkt bringen. Und würden wir uns nicht ausreichend Mühe geben und den Studiengang weiterentwickeln, wären auch die Ehemaligen nicht so zufrieden und würden vielleicht nicht mehr ganz so begeistert vom Studiengang sprechen. Wir wollen sehr zufriedene aktuelle Teilnehmende, weil dies dann sehr zufriedene Ehemaligen werden. Das ist ein enormer Ansporn für mich – jeden Tag.

 

Wann erscheint dein neues Buch und warum darf das niemand verpassen?

Das Buch „Glücksfall Widerstand“ kommt im Herbst auf den Markt. Bevor ich mit dem Schreiben begonnen haben, habe ich mir überlegt, für wen ich das Buch schreibe. Ich habe dann entschieden, dass ich es für „interessierte Executives“ schreibe, also für Personen, die an einem EMBA Luzern teilnehmen oder teilgenommen haben. Ich habe versucht, so zu schreiben, dass sich diese Personen angesprochen fühlen. Die Leser, Leserinnen müssen dann entscheiden, ob das gelungen ist [E.N. schmunzelt]. Und nun zur Frage: Das Buch ist voller Stories zu Widerstand – und zwar von Führungskräfte wie sie im EMBA Luzern teilnehmen oder teilgenommen haben. Stories aus dem Führungsalltag. D.h. dass sich Studierende und Ehemalige des EMBA Luzern darin wiederfinden dürften. Zudem ist es so, dass Widerstand in der Regel als anspruchsvoll, herausfordernd und belastend empfunden wird. Das Buch zeigt auf, wie man bei Widerstand etwas genauer hinschauen kann und so gute Wege findet, um konstruktiver damit umzugehen. 

 

Interview: Beni Stocker (Juni 2015)